Kommentar

Schlichte Wahrheiten

Peter Reinhardt lobt den Klimawechsel in der Bildungspolitik

Es hat Winfried Kretschmann einige Mühen gekostet, seine grün-schwarze Koalition in der Bildungspolitik auf einen sachlichen Kurs zu bringen. Denn auf diesem Feld sind die ideologischen Gegensätze der beiden Partner besonders groß. Der Regierungschef sieht das bei der Aufarbeitung der baden-württembergischen Bildungskrise nun sogar als besondere Chance.

Die Koalition hat sich viel Zeit für die Ursachenforschung gelassen. Doch das kann sich lohnen, wenn die notwendigen Reformen dann tatsächlich im Konsens gelingen. Wohltuend war schon bei der Vorlage der desaströsen Ergebnisse des Bildungsvergleichs, dass Ministerin Eisenmann nicht gleich tausende Lehrer gefordert hat. Zu den ganz banalen, aber wichtigen Erkenntnissen der Aufarbeitung gehört, dass es auf den Lehrer ankommt und nicht auf die Methode oder die Schulstruktur. Das ist eine gute Basis, um den Dauerstreit um die Gemeinschaftsschulen und die ungeliebten Werkrealschulen zu beenden. Überall kann gute Arbeit geleistet werden - oder schlechte. Deswegen ist es so wichtig, die Lehrer in ihren Fächern und ihren pädagogischen Methoden fortzubilden. Viele Eltern erschrecken, wenn sie mit ihren Kindern in ihre alte Schule kommen und sich dort oft in einer Generation wenig geändert hat. Statt alte Schlachten zu schlagen, sollten sich alle Beteiligten auf die Verbesserung des Unterrichts konzentrieren.