Kommentar

Das neue Ausland

Dirk Lübke über die Herausforderungen, die im Kampf gegen Internet-Kriminalität auf Staat und Gesellschaft zukommen

Das Thema Kriminalität aus dem Internet wird an vielen Stellen wie ein rohes Ei behandelt. Das gilt vor allem für betroffene Firmen, die sich ungern öffentlich dazu auslassen. Dieses Vorgehen ist bei Getroffenen genauso nachvollziehbar wie eine gewisse Verschlossenheit bei Firmen, die bisher noch keinen Schaden davontrugen. Denn manche kriminelle Angreifer aus dem weltweiten Netz machen es sich fast zum Sport, wieder ein System zu knacken, lahmzulegen, außer Kraft zu setzen, seine Verwundbarkeit zu zeigen. Dazu fassen sie jede öffentliche Äußerung als Provokation, als Herausforderung auf. Sie wollen denen, die "Wir sind sicher" sagen, das Gegenteil beweisen.

Es brauchte nicht erst den "Wanna Cry"-Angriff vor ein paar Tagen, um deutlich zu machen: Eine neue Form der Kriminalität bedroht uns schon länger, massiv und zunehmend. Bereits vor viereinhalb Jahren hieß es im Vorfeld eines IT-Gipfels in Essen, dass Überwachungszentren für wichtige IT-Systeme aufgebaut werden müssten, dass Firmen sich verbünden sollten, dass der Staat Regelungen treffen müsste. Davon ist ein wenig geschehen, einiges aber noch im Fluss. Auch deshalb wird es umso interessanter, was Mitte Juni beim nächsten IT-Gipfel in Ludwigshafen herauskommt.

Eine sehr wichtige Rolle spielt die Aufgabe des Staates. Welchen Schutz kann, soll, muss er bieten? Die Bundeswehr hat jüngst eine eigene Einheit im Kampf gegen die Internet-Kriminalität auf die Beine gestellt. Sie ist aber nur bei einem kriegerischen Akt aus dem Ausland zuständig oder wenn die eigene Truppe aus dem Cyber attackiert würde. Andererseits: Irgendwie ist Ausland überall in einer globalen Welt der Internet-Kriminalität.