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FN-Serie „Heimat“: Holocaustüberlebende jüdische Mitbürger Manfred Grünebaum und Manfred Bravmann hatten immer Sehnsucht nach der Heimat

Im Herzen stets Wenkheimer geblieben

Von unserem Mitarbeiter Klaus Reinhart

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Wenkheim. Der Ort im Welzbachtal war seit dem Mittelalter zur Heimat von Juden geworden. Die Grafen von Wertheim und deren Nachfolger, die Fürsten von Löwenstein, hatten ihr Ansiedeln erlaubt und gefördert. Bis 1938 lebten Juden in mehr oder minder großer Zahl in Wenkheim und waren ein fester Bestandteil im Gemeindeleben. Bis 1933 konnten sie dort unbedrängt leben. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verließen viele ihre Heimat in Richtung USA. Die es nicht konnten, wurden fast alle in den Vernichtungslagern des Ostens ermordet. Wenigen gelang die Flucht aus dem Lager Gurs in Südfrankreich. Unter ihnen war Manfred Bravmann, der 1940 über die Pyrenäen nach Spanien floh und von dort nach Palästina gelang.

Schon in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts kehrte er oft nach Wenkheim zurück und besuchte die alte Heimat, die er mit 14 Jahren verlassen musste. Bei früheren Nachbarn wurde er immer herzlich aufgenommen. Unvergessen ist seine Rede im Jahr 1992 beim Übergabetermin der restaurierten ehemaligen Synagoge. Dort schilderte er detailliert seine Erlebnisse in Wenkheim.

Obwohl er schon mehrere Jahrzehnte in Israel lebte, zog es ihn immer wieder an den Ort, wo er seine Kindheit und ein Stück seiner Jugendzeit verbracht hatte. Inzwischen ist er gestorben.

Vor zehn Jahren war seine Tochter mit den Enkelkindern in Wenkheim und besuchte neben der ehemaligen Synagoge auch die frühere Wohnung der Familie Bravmann an der Abzweigung nach Neubrunn.

Der Verein zur Erforschung jüdischer Geschichte und Pflege jüdischer Denkmäler im tauberfränkischen Raum mit Sitz in Wenkheim (Synagogenförderverein) freut sich immer, wenn ehemalige Wenkheimer Juden oder deren Nachkommen ihre frühere Heimat besuchen. In regelmäßigen Abständen finden diese Besuche statt und das Gästebuch im Gebetsraum der ehemaligen Synagoge gibt Zeugnis davon.

Susan Farley, die Enkelin von Leser Samuel Grünebaum, der das Lager im südfranzösischen Gurs 1941 nicht überlebte, gehört zu denen, die am häufigsten in Wenkheim waren. Ihr Vater Manfred Grünebaum hatte 1937 noch die Möglichkeit in die USA auszuwandern. Gerne hätte er seine Heimat noch einmal besucht, aber es war ihm nicht möglich, da seine Ehefrau nicht bereit war, nach Deutschland zu kommen.

Über den Besuch eines Mitglieds des Synagogenfördervereins im Jahr 2006 freute er sich besonders. In St. Petersburg (Florida) war die Familie aus Wenkheim mehrere Tage zu Gast bei ihm. Zu Beginn der Gespräche wurde Englisch gesprochen, nach einer halben Stunde Deutsch und nach kurzer Zeit verfiel man in den Wenkheimer Dialekt. Nach 70 Jahren hatte Manfred Grünebaum die Namen seiner Nachbarn noch parat. "Schmidts hawe newe uns gewohnt". Viele Einzelheiten aus seiner Jugendzeit und seinem Heimatort Wenkheim erzählte der letzte Holocaustüberlebende aus dem Welzbachtal, als wäre er vor wenigen Jahren erst dort weggegangen.

Der Synagogenförderverein hat sich auch bei der Zusammenstellung des Wenkheimer Heimatbuches engagiert und einen Teil der Druckkosten mitfinanziert. Neben der interessanten Geschichte des Welzbachortes hat der inzwischen verstorbene Schreiber Dr. Elmar Weiss auch einen größeren Abschnitt der jüdischen Geschichte von Wenkheim gewidmet.

© Fränkische Nachrichten, Donnerstag, 12.01.2012

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