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Sie ist zurück: Lisbeth Salander, die ungewöhnlichste Ermittlerin des europäischen Kinos. Punk ist sie, Hackerin und Einzelkämpferin aus Not und Überzeugung. Die großartige Noomi Rapace leiht ihr wieder ihr Gesicht, angetan mit Stachelhalsband und Nasenring und ewig rauchend. Als Beste Darstellerin war sie für diesen Part in "Verblendung" für den Europäischen Filmpreis nominiert, nun begibt sie sich in "Verdammnis" wieder auf Spurensuche, zurück in die eigene schmerzhafte Vergangenheit. Wieder hat sie es mit "Männern, die Frauen hassen" - so der wörtlich aus dem Englischen übersetzte Titel der Verfilmung des ersten Teils von Stieg Larssons "Millennium-Trilogie" - zu tun.
Nils Bjurman (erschreckend: Peter Andersson), ihr ehemaliger Vormund und Vergewaltiger wird tot aufgefunden. Ebenso ein Journalist, der in dem Anwalt den Drahtzieher eines Mädchenhändlerrings vermutete. Die Tatwaffe trägt Salanders Fingerabdrücke, sofort setzt eine Hetzjagd ein.
Daniel Alfredson hat die Regie von Niels Arden Oplev übernommen, das Drehbuch hat Jonas Frykberg verfasst. Nahtlos knüpft ihr Plot am Vorgänger an, der wieder auf mehreren aufeinander zulaufenden Handlungsebenen spielt. Erneut kommt Starreporter Mikael Blomkvist (souverän: Michael Nyqvist) zum Zug, der eine brisante Story um Zwangsprostitution recherchiert, in die zahlreiche Politiker und Würdenträger verwickelt scheinen. Was ihn schnell zur untergetauchten Lisbeth führt, von deren Unschuld er überzeugt ist.
Perversion, Standesdünkel, bürgerliche Scheinmoral, Verlogenheit, Hass, Gewalt und finstere Familiengeheimnisse, die altbekannten Zutaten skandinavischer Krimiqualität sind vorhanden - und das Mädchen mit dem Drachentattoo steckt mittendrin. Stärker noch als im ersten Teil der Bestsellerverfilmung konzentriert sich der Thriller auf ihre Person, erzählt die mörderische Mär aus (ihrem) feministischen Blickwinkel. Und der öffnet dem Zuseher die Augen für moderne Missstände, für Ausländerhass, Medizinerallmacht und Bürokratie. Mag das Innen und das Außen von Figuren und Geschichte auch nicht ganz so gut zusammengehen wie beim Auftaktfilm, weil man mehr auf Action geachtet hat, bangt man dennoch jede einzelne der 129 schweißtreibenden Minuten um die Heldin. Weil Tempo, Timing und Spannungsaufbau stimmen, Bildgestaltung und Musikeinsatz überzeugen. Hartes, fesselndes Kino ist längst nicht mehr nur Sache Hollywoods - und Teil drei, "Vergebung", schon abgedreht.
04. Februar 2010
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