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FN-Sommer: Mercedesmuseum Stuttgart zeigt auf 16 500 Quadratmetern Fläche die Entwicklung des motorgetriebenen Autos von 1886 bis heute

Lückenlose Geschichte des Automobils

Von unserem Redaktionsmitglied Dieter Schwab

Als Bertha Benz 1888 zu ihrer Fahrt von Mannheim nach Pforzheim startete, verhalf sie damit der Erfindung ihres Mannes Carl zum Durchbruch. Heute, fast 125 Jahre nach dessen bahnbrechender Idee von einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor ist das Stuttgart der einzige Ort, an dem man einen lückenlosen Überblick bekommt, über welche Stationen sich das motorisierte Dreirad zum modernen Auto entwickelt hat. Und so manche aus Metall geformte Skulptur der Marke mit dem Stern wartet auf ihre Bewunderer.

Das Gebäude ist Monument moderner Architektur. Von der Extrovertiertheit dieser Hülle aus Glas und Beton ist im Innern nicht mehr viel zu spüren. Dort nimmt sich der Bau zurück, um den Stars des Hauses nicht die Show zu stehlen.

Der Weg zu den Exponaten führt über einen von drei Fahrstühlen hinauf auf die oberste von sieben Ebenen. Denn das Museum will erkundet werden, indem man dem runden Gang, der sich wie in einem Schneckenhaus nach unten windet, wieder zurück zum Eingang folgt.

An den Wänden zwischen den Ebenen werden die Besucher mit Bildern und Informationen von Weltereignissen des jeweiligen Zeitabschnitts konfrontiert, ehe man in die Welt der damals aktuellen Mercedes-Modelle eintaucht. Die Präsentation der perfekt restaurierten und gepflegten Fahrzeuge ist fast schon spartanisch. Es gibt keine Inszenierungen oder Bühnenbildnerei, sondern nur Mercedes pur. Die Wagen haben es auch nicht nötig, künstlich in Szene gesetzt zu werden, denn sie sprechen für sich. Ob es sich nun um Autos handelt, die zu Hunderttausenden das Straßenbild der letzten Dekaden prägten, oder um die anbetungswürdig schönen Modelle vom Schlag eines SSK Kompressor, eines 300 SL Flügeltürer oder eines 300 Adenauer - sie alle ziehen die Betrachter in ihren Bann, ohne dass man sie zusätzlich dekorieren müsste.

Neben den Hauptebenen, die chronologisch von 1886 bis 2010 die Fahrzeuge der Marke zeigen, gibt es weitere Nebenebenen, die thematische Schwerpunkte einfangen. Das kann zum Beispiel ein Querschnitt aus verschiedenen Epochen der Personenbeförderung sein mit Taxi und Doppeldeckerbus oder eine Sonderausstellung mit Supersportwagen.

Auf dem absteigenden Museumspfad wird eine Fülle an Informationen geboten. Neben Schautafeln, Fahrzeugbeschreibungen und Videostationen gibt es vertiefende Erläuterungen vom Band. Jeder Besucher hängt sich seinen persönlichen Museumsführer um den Hals, und ruft über den elektronischen Plauderer überall dort Wissen ab, wo es angeboten wird.

In der Rennsportabteilung wurde zusammengetragen, was auf den Rennpisten der Welt unterwegs war, um die Innovationskraft und die Qualität der Marke zu beweisen. Und nichts anderes war ja auch die Fahrt von Bertha Benz, mit der der Erfolgsweg begann.

Fränkische Nachrichten
04. September 2010


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