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Von unserem Redaktionsmitglied Jürgen Strein
Liebhaber moderner Kunst müssen manchmal ganz schön weit reisen, um die Stars der Moderne sehen zu können. Wer Kunstwerke von Anselm Kiefer bewundern will, ist zum Beispiel mit Centre Pompidou in Paris nicht schlecht beraten. Für David-Hockney-Arbeiten empfiehlt sich die Tate Gallery in London. Tomi Ungerer-Bewunderern sei Straßburg ans Herz gelegt. - Man kann aber auch einfach warten, bis die Großen der Gegenwartskunst in die vermeintliche Museums-Provinz kommen, nach Schwäbisch Hall. Dort, in der Kunsthalle Würth, reiht sich nämlich seit dem Jahr 2001 eine aufregende Werkschau von bedeutenden Gegenwartskünstlern an die nächste.
Zur Zeit ist dort Tomi Ungerers "EKLIPS" zu sehen (noch bis 19. September), eine Verbindung von Retrospektive des gewaltigen Lebenswerkes des bald 80-Jährigen mit vielen neuen Arbeiten. Dazu kommt eine kleinere Schau von Werken der als "Verpackungskünstler" populär gewordenen Christo und Jeanne-Claude.
Daran schließt sich Anfang Oktober eine Ausstellung mit Werken von Alex Katz an, einem der bedeutendsten amerikanischen Maler der Gegenwart. Und für 2011 ist eine Schau mit Werken von Niki de Saint Phalle vorgesehen.
Die Kunsthalle Würth will einem breiten Publikum den Zugang zu moderner und zeitgenössischer Kunst vermitteln. Die Basis dazu ist die mittlerweile auf über 12 000 Werke angewachsene Sammlung des Unternehmers Reinhold Würth, der schon 1991 in der Konzernzentrale im nahe gelegenen Gaisbach (Stadtteil von Künzelsau) mit dem Museum Würth der Gegenwartskunst eine Heimstatt geschaffen hatte.
Ganz dem Kunsthallen-Prinzip entsprechend, gibt es in Schwäbisch Hall keine Dauerausstellung, sonder nur wechselnde Schauen. Dazu stehen weit über 2000 Quadratmeter zur Verfügung - da wirkten selbst Monumentalmalerei, wie die von Anselm Kiefer, oder die schweren Skulpturen von Alfred Hrdlicka nicht überdimensioniert.
Die Kunsthalle Würth wurde auf dem ehemaligen Areal der Haller "Löwenbräu" inmitten der Schwäbisch Haller Altstadt errichtet. Der dänische Architekt Henning Larsen - Sieger eines Wettbewerb im Jahr 1997 - entwarf einen Museumsbau mit zwei im Stadtbild sichtbaren (im Erdgeschoss verbundenen) Kuben, ein Haus, das sich einerseits eine konsequent moderne Architektursprache spricht und sich andererseits wie selbstverständlich in die spätmittelalterliche Bebauung der Katharinenvorstadt einpasst, im Zusammenspiel mit dem markanten Sudhaus und der etwas oberhalb liegenden Katharinenkirche.
Schließlich hat man von dem kleinen Platz zwischen den beiden Gebäudekuben den schönsten Blick auf die mittelalterliche (Kerns-)Stadt jenseits des Kochers. Die Kunsthalle ist macht dem Besucher den Kontakt mit der modernen Kunst leicht: Sie bietet zum einen optimale Räume für Kunstpräsentation an. Zum anderen sind die Ausstellungen grundsätzlich kostenlos zu besuchen, es gibt regelmäßig Führungen, natürlich Audioguides für Einzelbesucher und vor allem Zusatzprogramme für Kinder.
Der freie Eintritt ist ein gutes Argument dafür, die Kunsthalle immer wieder zu besuchen und dabei auch einen Blick in die nahe gelegenen Johanniterhalle zu tun.
Dort, in einem schon lange säkularisierten Kirchenbau aus dem 12,. Jahrhundert sind nach der umfassenden Renovierung als Ableger der Kunsthalle die "Alten Meister" der Sammlung Würth untergebracht. Reinhold Würth war 2003 für das Land in die Bresche gesprungen und hatte die spätmittelalterlichen Malereien und Skulpturen der Fürstenbergischen Sammlung erworben, die ansonsten Wohl ins Ausland verkauft worden wären.
Wem die modernen Meister der Kunsthalle wenig sagen, der kann hier in Dialog treten mit Gemälden von Lukas Cranach, dem Meister von Meßkirch oder Skulpturen von Daniel Mauch und Tilman Riemenschneider.
Fränkische Nachrichten
01. September 2010
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