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Von unserem Redaktionsmitglied Christian Bach
Die Diebe kamen nicht mit der Brechstange, sondern sie nutzten ein Kippfensterchen - genauer gesagt: Einer von ihnen drückte das kleine Oberlicht auf und schlüpfte hindurch. Auf dem Boden der Kirche angelangt, schlich er zum Haupteingang, öffnete das Tor und ließ seine Komplizen ein. Die räumten dann das Gotteshaus leer. Ihr wertvollstes Beutestück: Eine über 400 Jahre alte Riemenschneider-Madonna aus Holz, gute drei Zentner schwer.
Die Geschichte, die die Gästeführer der Stadt Volkach bei einer Exkursion zur Kirche "Maria im Weingarten" gerne erzählen, lässt einem beinahe den Mund offen stehen. Was da in der Nacht vom 6. auf den 7. August 1962 geschah, ist ein richtig guter Krimi. Spannender noch als der Raub ist die Story, wie die Madonna wieder zurückkam in die Kirche auf dem Berg, doch mehr sei hier nicht verraten.
Ein Besuch der Kirche Maria im Weingarten lohnt sich indessen nicht nur dieser Geschichte wegen, sondern auch wegen der Madonna selbst, der Lage des Gotteshauses und ihrer Umgebung. Eine kleine Einschränkung gibt es allerdings zurzeit: Ein Teil der Kirchenfassade ist wegen Renovierungsarbeiten eingerüstet.
Die Kirche "Maria im Weingarten" liegt auf einer Schulter des Kirchberges, unweit der Stadt. Tatsächlich ist sie von Weingärten ganz umgeben. In früherer Zeit führte einmal ein Kreuzweg vom Volkacher Rathaus bis zur Kirche hinauf. Wegen seiner Länge gab er den Gläubigen viel Zeit und Gelegenheit, um zu beten und zu büßen. Bei der Erneuerung der Kreuzwegstationen im 17. Jahrhundert wurde der Pilgerpfad erheblich verkürzt. Er beginnt seitdem am Fuße des Kirchbergs, und dort befindet sich heute auch ein kleiner Parkplatz.
Aus dem Jahr 1158 ist ein Schriftstück überliefert, in dem die Pfarrei Volkach und in diesem Zusammenhang auch die Kirche auf dem Berg erwähnt sind. Sie war damals Pfarrkirche für eine ganze Reihe von Ortschaften im Umkreis. Erst später begannen die Volkacher Bürger, innerhalb ihrer Stadtmauern ein Gotteshaus zu errichten und zur Pfarrkirche zu machen. "Maria im Weingarten" behielt jedoch ihre Bedeutung als Wallfahrtskirche. Sie ist das Ziel frommer Pilger bis heute. An der Stelle der Urkirche wurde ab Mitte des 15. Jahrhunderts ein Neubau errichtet, der erst nach Beginn des 16. Jahrhunderts seiner Vollendung entgegenging. 1524 hielt Tilmann Riemenschneiders Holzskulptur "Maria im Rosenkranz" Einzug in die Kirche. Die Figur steht einem Ring aus Rosenblüten, der von fünf Bildmedaillons unterbrochen wird. Das Kunstwerk hängt im Chorbogen der Kirche - gut gesichert und für Diebe kaum erreichbar.
Heute noch erhalten sind in der Kirche außerdem eine aus der Zeit um 1370 stammende Pieta und eine Figur der "Anna Selbdritt" aus dem 16. Jahrhundert. An einer Langwand befindet sich eine übergroße Freskodarstellung des heiligen Christophorus, die in die Zeit um 1500 datiert wird.
Im Lauf der Jahrhunderte erfuhr die Kirche mehrfach eine Umgestaltung. Der Barock hielt Einzug und wurde wieder entfernt, neugotische Elemente kamen und gingen. Zuletzt legte man 2002 Hand an, um behutsam Altes und Neues aufeinander abzustimmen und um den Charakter des Gotteshauses als Wallfahrtskirche zu stärken.
Vom Kirchberg aus hat man einen schönen Blick auf Volkach und das Land an der Mainschleife. Wer den Weg zur Kirche Maria im Weingarten unternommen hat, sollte sich die Stadt nicht entgehen lassen. Ihr malerischer Kern lädt mit seinen Cafés, Weinstuben und Gasthöfen zum Bummeln und Verweilen ein, und auch hier kann sich der Besucher von Gästeführern die Sehenswürdigkeiten zeigen lassen. Eine besondere Perle: Das "Schelfenhaus", das der Kaufmann Georg Adam Schelf anlässlich seiner Hochzeit mit einer Adeligen ab 1719 erbaute und prachtvoll ausschmücken ließ.
Vor den Toren der Stadt kann man den großen Bogen, den der Main hier beschreibt, auf vielfältige Art erkunden - zu Fuß, mit dem Rad, dem Kanu oder per Schiff .
Die umliegenden Orte sind vom Weinbau geprägt, und einen Besuch sollte man eigentlich nicht beenden, ohne vorher einen der guten Tropfen gekostet zu haben. Ein Tipp für alle Familien, die hierher kommen, ist ein Besuch des Freibades von Volkach oder am Wochenende eine Fahrt mit dem historischen Schienenbus auf der Mainschleifenbahn.
Fränkische Nachrichten
30. Juli 2010
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