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FN-SOMMERSERIE: Die von Katholiken und Protestanten gemeinsam genutzte Stiftskirche St. Juliana ist eine Reise wert / Offene Türen für die Ökumene

Zwei Kirchen unter einem Dach

Von unserem Redaktionsmitglied Sabine Braun

Es gibt viele Gründe, der Kreisstadt Mosbach einen Besuch abzustatten. Einer davon: Die Stiftskirche St. Juliana. Sie ist die einzige Kirche in Baden-Württemberg, die simultan genutzt wird, so der evangelische Dekan Dirk Keller im Gespräch mt den FN. Den Katholiken gehört der ursprüngliche Chor, den evangelischen Christen das Langhaus. Aber auch sonst hat das prächtige, den Mosbacher Marktplatz prägende Gebäude aus dem 15. Jahrhundert viel zu bieten.

Zwei Kirchen unter einem Dach - diese ungewöhnliche Tatsache ist auf die Reformation zurückzuführen. Durch den Einbau einer Trennmauer wurde die dreischiffige Basilika im Jahr 1708 geteilt. Die Katholiken zogen in den ursprünglichen Chor ein. Das dem Marktplatz zugewandte Langhaus und der Turm gehören seitdem den Reformierten.

Starke Symbolik

300 Jahre danach, im Jahr 2008, machten die beiden Kirchengemeinden einen langgehegten Wunsch wahr und brachen eine Tür in die Scheidemauer. Seitdem steht diese bei ökumenischen Anlässen offen - ein starkes Symbol für die Gläubigen und zugleich ein bau- und kulturgeschichtlich interessantes Faktum.

Die Historie des weiß verputzten stadtbildprägenden Steinbaus weist weit zurück: Die ältesten Belege für das Benediktinerkloster in Mosbach stammen aus dem Jahr 976. Mauerteile weisen darauf hin, dass es schon in dieser frühen Zeit einen Vorgängerbau der heutigen Stiftskirche gab.

Klicken Sie auf ein Bild, um die Großansicht zu erhalten.

1410 wurde die ursprünglich einschiffige Kirche fertiggestellt, 1468 wurde das Langhaus angebaut, die dreischiffige Basilika entstand.

Unbekannte Künstler schufen bereits um 1400 die Wandmalereien, die für kunsthistorisch Interessierte eine Reise wert sind: der Apostelzyklus und die Kreuztragung. "Aber auch die uralten Epitaphe, der Hallenlettner und die Kanzel von 1468 sind ein Grund, hierherzukommen", so Dekan Keller.

Im katholischen Teil sind es die Grabplatte der Pfalzgräfin Johanna von 1444 und die Altäre. Sehenswert, so Keller, ist die barocke Ausstattung insgesamt, während die Protestanten "gotisch unterwegs" seien.

Einen bewusst gestalteten Kontrast dazu bilden die neuen Prinzipalstücke aus grob behauener Odenwälder Eiche, die der aus Mosbach stammende Künstler Werner Pokorny Ende der 90er Jahre gestaltet hat.

Mit den hohen, reich verzierten Bogenfenstern, Arkaden, Rundpfeilern und unzähligen kleinen Hinguckern" sind die beiden stillen Kirchenräume mitten in der lebendigen Altstadt auch für sich genommen ein Erlebnis.

Turm feiert 600. Geburtstag

Der über 50 Meter hohe Kirchturm mit seinem schiefergedeckten Pyramidendach stammt ebenfalls von 1410. Sein 600. Geburtstag wurde gerade am Sonntag groß gefeiert - mit einem ökumenischen Fest, denn die Glocken im Turm läuten für Protestanten wie Katholiken.

Unter dem Motto "Im Herzen der Stadt offen für Gott und die Leute" steht die Arbeit der evangelischen Kirche in Mosbach. Dazu passen die laufenden Ausstellungen, dazu passt auch, dass sowohl der evangelische als auch der katholische Teil der Stiftskirche St. Juliana den ganzen Sommer über von 9 bis 17 Uhr für Besucher offen steht.

Ein Tipp: "Musik zur Marktzeit" ist eine gute Möglichkeit, den Besuch in der Stiftskirche mit einem musikalischen Erlebnis zu verbinden. In der Reihe gibt es samstags ab 10.30 Uhr klassische Konzerte, Chorwerke oder auch Jazz bei freiem Eintritt.

Weitere Informationen zur Kirche gibt es unter www.stiftskirche-mos.de sowie seelsorgeeinheit-mosbach.de, Informationen zu Mosbach unter www.mosbach.de oder bei der Tourist Information am Marktplatz, Telefon 06261/91880. Dort und in beiden Kirchen bekommt man auch den neuen informativen Führer zur Stiftskirche St. Juliana.

Fränkische Nachrichten
29. Juli 2010


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