Tauberbischofsheim

Leserbrief Zu "Fitnessstudio - oder doch die Mediothek" (FN 5. Mai)

Durch eine Hau-Ruck-Aktion wird mehr zerstört als geschaffen

Ein nicht ortsansässiges Unternehmen - in diesem Fall ein Fitnessstudio-Betreiber - will sich in einer Kleinstadt ansiedeln. Innenstadtnah. Die Verwaltung und der Gemeinderat müssten jubeln! Aber sie tun es nicht. Diese auch auf den zweiten Blick merkwürdige Nachricht musste ich heute der Zeitung entnehmen.

Mit dem Auszug des Lebensmittelmarktes aus der Ringstraße war der Leerstand des Gebäudes eigentlich fest eingeplant. In meinem Kopf zumindest.

So ist es doch sehr selten, dass sich hier in Tauberbischofsheim Gewerbe in der Innenstadt ansiedelt. Doch alles kam anders. Schon früh hörte man in sozialen Netzwerken läuten, dass ein Interessent aus dem alten "REWE" ein Fitnessstudio machen will.

"Toll", dachte ich mir, "endlich eine Neuansiedlung im innerstädtischen Bereich, die auch Kundschaft, die ansonsten eventuell einen großen Bogen um die Fußgängerzone macht, in ebendiese holt." Doch ausgerechnet gegen diese Neuansiedlung bezieht der Gemeinderat Stellung und will lieber die städtische Mediothek in den Räumlichkeiten sehen. Da frage ich mich: Geht's noch?

Unsere - leider - aussterbende Fußgängerzone wird durch die derzeitigen Umbauarbeiten nicht wieder mit Leben gefüllt. Dazu braucht es Läden, die Waren und Dienstleistungen anbieten auf der einen und Kundschaft auf der anderen Seite. Eine Verschiebung der Mediothek an einen neuen Standort mag sinnvoll sein, vor allem wenn man an die beengten Räumlichkeiten in der Blumenstraße denkt. Aber durch eine solche Hau-Ruck-Aktion wird eben mehr zerstört als geschaffen. Denn in diese bereits erwähnten Räumlichkeiten der Mediothek in der Blumenstraße passt ein Fitnessstudio nicht."

Und eine andere Immobile müsste vermutlich erst geschaffen werden, denn eine andere ebenerdige, verfügbare und ausreichend große Fläche dürfte es in Tauberbischofsheim nicht geben. Auch die erwähnte Parkplatzproblematik ließe sich mit nicht allzu großem Aufwand umschiffen. Beispielsweise wäre es möglich, einen Kompromiss zwischen Stadt und Studiobetreiber zu finden, der den Kunden eine Parkmöglichkeit in der unmittelbar angrenzenden Tiefgarage anbietet, über die Mitgliedsbeiträge teilverrechnet und dem im Gegenzug die Stadt mit einem Kontingent an Dauerstellplätzen zu einem vergünstigten Tarif entgegenkommt.

Zuletzt sei den Damen und Herren von Verwaltung und Technischem Ausschuss mit auf den Weg gegeben: Das Publikum in Fitnessstudios entspricht nicht mehr dem Bild, das Hollywoodfilme aus den 1980er Jahren vermitteln.

Eine Örtlichkeit, in der Menschen sich zur Förderung der eigenen Gesundheit treffen, kann - wenn man es denn will - auch ein Treffpunkt von Jung und Alt sein. Von Schülern und Auszubildenden, jungen Müttern und Vätern oder rüstigen Senioren. Allein der Wille, an so eine positive Veränderung zu glauben, scheint zu fehlen.