Leserbrief

Leserbrief Zum Leserbrief "Die unendliche Geschichte geht weiter", FN 20. Februar

Was ist das Motiv des Bürgermeisters?

Wir geben Herrn Boger Recht, wenn er die Westumfahrung Königshofens als die vernünftigere Lösung ansieht. Diesbezüglich sind wir auch im vollen Einklang mit der Bürgerinitiative Umgehungsstraße Königshofen (BUK). 2010 schrieb Herr Jürgen Engel an den damaligen Regierungspräsidenten Johannes Schmalzl, die Westtrasse sei "die einzig objektiv sinnvolle und durchsetzbare Variante", zu der es "keine vergleichbare zumutbare Alternative" gebe.

Mit Hinweis auf den Schriftverkehr der vergangenen Jahre betont er, die Tunnellösung habe ein solch schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis, "dass eine Umsetzung ausgeschlossen" sei.

Weiter benennt die BUK Schwachpunkte des Gutachtens, das 2016 ausschlaggebend für die Entscheidung des Gemeinderats war: "Bislang trennt uns lediglich ein "wachsweiches" FFH-Gutachten von einer möglichen Umsetzung, das aus unserer Sicht erhebliche Schwächen aufweist, da die Eingriffe in das Schutzgebiet tatsächlich nicht so sein müssten, wie darin dargestellt."

Nicht nur die BUK, sondern auch die CDU-Gemeinderatsfraktion hatte bereits in der Gemeinderatssitzung vom 29. Januar 2007 erhebliche Bedenken gegen das Umweltverträglichkeitsgutachten vorgebracht.

Unter Berufung auf dieses Umweltgutachten haben sich Bürgermeister und Gemeinderäte nun gegen die Westtrasse bzw. für die Osttrasse entschieden. Wir haben allerdings erhebliche Zweifel daran, dass die Entscheidungsträger das Gutachten hinterfragt und die von verschiedenen Seiten vorgebrachte inhaltliche Kritik in Betracht gezogen haben.

Dem Regierungspräsidium kann in diesem Zusammenhang kaum ein Vorwurf gemacht werden, denn viele Ungereimtheiten des Gutachtens erschließen sich nur, wenn man sich mit der Problematik vor Ort befasst.

Genau dies aber haben Bürgermeister und Gemeinderäte wie auch das Landratsamt (Umweltamt) offensichtlich nicht gemacht, vielmehr haben sie die Inhalte dieses Gutachtens kritiklos übernommen und fordern nun auf der Basis dieses tendenziösen Umweltgutachtens die Osttrasse. In der Gemeinderatsitzung am Montag sah sich Bürgermeister Thomas Maertens jedenfalls außerstande, einen im Gutachten erwähnten und angeblich von der Westtrasse betroffenen Auwald an der Tauber zu lokalisieren. Dies ist nicht verwunderlich, denn es gibt ihn gar nicht.

Wenn Sie, Herr Boger, uns vorwerfen, die BUK nicht unterstützt zu haben, müssen wir Ihnen widersprechen. Allein drei unserer Vorstandsmitglieder sind Mitglieder der BUK und waren auch 2013 bei der letzten Mitgliederversammlung der BUK anwesend, als Herr Engel verkündete, die Arbeit der BUK ruhen zu lassen. Die Mitgliedsbeiträge in nicht unerheblicher Höhe würden einer wohltätigen Organisation zufließen. Seither war von der BUK nichts mehr zu hören.

Wenn Sie uns weiterhin vorwerfen, erst jetzt tätig geworden zu sein, sollten Sie sich an Folgendes erinnern: Der Gemeinderat hatte sich 2007 mehrheitlich für die Westtrasse mit Schließung der Bahnübergänge ausgesprochen und dieser Gemeinderatsbeschluss bestand bis 2016.

Bis zu diesem Zeitpunkt fanden alle Verhandlungen der Entscheidungsträger bezüglich der Ortsumgehung Königshofen offensichtlich hinter verschlossenen Türen und ohne Einbeziehung der Betroffenen statt.

Als Begründung für die Kehrtwende des Gemeinderats wird angeführt, der jetzige Verkehrsminister Winfried Hermann habe 2013 seine Meinung geändert. Aufgrund des FFH-Gutachtens wolle er nicht mehr die Westtrasse, sondern die Osttrasse. Ist ihm der Gedanke, den Königshöfern gegen ihren Willen die Osttrasse aufzuzwingen, so ganz plötzlich an seinem Schreibtisch gekommen?

Herr Maertens lehnte bereits zu Beginn seiner Amtszeit die vom Gemeinderat beschlossene Westtrasse ab. Seither wird er nicht müde, die Osttrasse zu propagieren. Das fragwürdige FFH-Gutachten, auf das sich Herr Maertens heute beruft, gab es damals noch gar nicht. Es darf also weiterhin darüber gerätselt werden, was das tatsächliche Motiv unseres Bürgermeisters ist, wenn er die Osttrasse fordert.

Die Verkehrsberuhigung an der Hauptstraße, die Herr Boger anspricht, ist nicht das einzige dringende Problem, das in Königshofen angegangen werden muss. Dabei böte die Westtrasse den Vorteil, dass die Hauptstraße stärker zurückgebaut werden könnte als bei der Verwirklichung der Osttrasse, da der Tunnel für Reinigungs- und Wartungsarbeiten regelmäßig gesperrt und eine leistungsfähige Umleitungsstrecke vorgehalten werden muss.

Die Westtrasse ermöglicht außerdem die Beseitigung der schienengleichen Bahnübergänge und die direkte Anbindung der B 292 an die B 290. Beide für Königshofen sowie für das ganze Umland wichtige Maßnahmen sind laut Auskunft von Bürgermeister Maertens bei der Osttrasse nicht vorgesehen.