Leserbrief

Leserbrief Zu aktuellen kommunalpolitischen Themen in Röttingen

Kultureller Trauerfall der Sonderklasse

Und sie bewegt sich doch. Nicht nur die Sonne, auch die Intendanz der Frankenfestspiele. Das hat vor einem Jahr niemand für möglich gehalten, dass "die genauen Zahlen" hinsichtlich der 14 337 Festspielbesucher bereits drei Tage nach dem letzten Vorhang gezählt sind. Chapeau!

Da haben sie auf der Münchner Theresienwiese deutlich länger, nämlich fünf Monate, gebraucht, bis sie ihre 122 Mastochsen, 51 Kälber und 75 124 Hektoliter Bier durchgezählt hatten.

So erfolgreich und gut inszeniert Gräfin Mariza und Sunset Boulevard auch gewesen sein mögen, so können gelungene Festspiele im Taubertal nicht über einen kulturellen Trauerfall der Sonderklasse hinweg täuschen, den sich die politischen Entscheidungsträger im Rathaus mit der Verschleuderung des Echterstifts für sagenhafte 1 Euro geleistet haben. Die Tatsache, dass weder die evangelische noch die katholische Kirchengemeinde Einwände erhoben haben, macht die Schandtat um keinen Deut besser.

Dass die katholische Kirchengemeinde im Wege des vorauseilenden Gehorsams - politisch korrekt - ihre Palmsonntagsprozession ohne Diskussion und völlig geräuschlos in die Friedhofskapelle verlegte, spricht Bände und muss die Kulturanarchisten in Stadtrat und Bürgermeisteramt in ihrem Frevel geradezu befeuert haben.

Für diesen kulturellen und ökonomischen Irrsinn haben Stadtrat, Bürgermeister und Pfarrgemeinderat keinen Pour le merite, sondern die Scharia verdient; doppelt und dreifach.

Das, und wie es auch anders geht, ist aktuell in Ochsenfurt und Leinach in beeindruckender und beispielhafter Weise zu sehen. Der neue Patron im Echterstift kann jetzt sein Traumchalet mit einem steuersparenden Abschreibungsobjekt - unter der Fürsprache der Spitalmadonna - ins Werk setzen.

Dass das ganze Ärgernis selbstverständlich von der Gestaltungsordnung befreit und mit viel Kohle aus staatlichen Fördertöpfen - vom Steuerbürger - mitfinanziert wird, versteht sich von selbst.

Dann hätte das Echterstift - nach 400 Jahren - endlich die Bestimmung erhalten, nach der Julius Echter AD 1614 so verzweifelt gesucht hat. Dem Bau eines "MAGISCHEN ORTES"- hoch über dem Taubertal - für 310 000 Euro, stünde dann ebenfalls nichts mehr im Wege. Der St. Martinszug hätte dann auch ein Ziel gefunden und das Lichterfest könnte mit einem Veitstanz und mit viel Swing in the Air, furios gefeiert werden. O Maria hilf!