Hohenlohe-Franken

Außergewöhnliche Einrichtung Das "Raubtier- und Exotenasyl" im mittelfränkischen Wallersdorf ist Zufluchtsstätte für Tiere wie Tiger, Luchs und Puma

Raubtierasyl von Schließung bedroht

Für viele Tiere ist die Einrichtung die letzte Rettung, doch ihr droht nun selbst das Ende: Das Raubtier- und Exotenasyl in dem mittelfränkischen Dorf Wallersdorf kämpft ums Überleben.

Ansbach/Wallersdorf. Wer spricht noch von der Wiedereingliederung der Wölfe in Bayern, wenn Tiger, Pumas und Luchse sich schon im Wäldchen von Wallersdorf bei Ansbach wohlfühlen? Die Rede ist allerdings von gut behüteten Tieren, die im Raubtier- und Exotenasyl e.V. noch überleben dürfen, während die landesweit einmalige Einrichtung derzeit selbst um ihre Existenz kämpft.

Die Gegend mit der hügeligen reizvollen Landschaft und dem 250-Seelen-Dorf, durch das der Silberbach fließt, erscheint gar nicht so unpassend für wilde Tiere im Wald am Berghang. Rehe, Hirsche oder Füchse und vielleicht sogar Wildkatzen wären zu erwarten, nicht aber ausgewachsene und gefährliche Raubtiere. Die finden sich in Käfigen und Gehegen eines 6000 Quadratmeter großen Anwesens am Ortsrand, das in ein kleines Waldgebiet hineinragt.

Der seit 2007 bestehende Verein (ein Vorläuferverein war insolvent) übernahm die Tiere von der Ansbacher Behörde, man wird vom Veterinäramt und den Behörden streng überwacht, erfüllt die Auflagen und sorgt für eine zuverlässige tierärztliche Betreuung.

Der Vereins-Vorstand und einzige hauptamtliche Tierpfleger Olaf Neuendorf erzählt: "Mein Traum ist, dass wir für die Tiere eine vernünftige Unterbringung mit viel mehr Platz schaffen und dazu das Gelände mit dem angrenzenden Wald erwerben, um dort die Gehege erheblich erweitern zu können". Der Grundstücks-Eigentümer, ein Ansbacher Geschäftsmann, will aber nicht länger verpachten, sondern das ganze 12 000 qm große Areal verkaufen, wobei rund 600 000 Euro als Vorstellung im Gespräch sind. Zwar hat der gemeinnützige Verein schon einiges zusammengebracht, aber es fehlen noch stolze 450 000 Euro.

Man hilft mit der einzigartigen Einrichtung Tieren, die in normalen Tierheimen nicht unterkommen können. Neuendorf: "Die Tiere stammen oft aus schlechter Haltung, wurden ins Land geschmuggelt oder auf dem Schwarzmarkt verkauft, illegal gehalten oder sie konnten nicht mehr ausgewildert werden". Auch Zirkusse, die ihre Raubtiere nicht mehr halten konnten, suchen einen Platz.

So gehört die Tiger-Oma Rhani schon lange dazu, wurde mit der Flasche aufgepäppelt, während die Tiger Igor, Ussuri und Boris sogar im Raubtierasyl 2006 geboren wurden, da die Tiger-Mama aus einem Zirkus abgegeben wurde, als sie schon trächtig war.

Die Luchsdame Anubis zog vor drei Jahren ein und stammt aus illegaler privater Haltung, der Karakal (Wüstenfuchs) wurde behördlicherseits beschlagnahmt und ans Asyl weitergereicht. Und hier zeigt sich auch das Problem, denn die Behörden sind überfordert, um illegale Zucht und Tierhandel zu verhindern - wenn sie aber fündig werden und Tiere beschlagnahmen, wissen sie häufig nicht, wohin.

"Soweit möglich werden solche Tiere auch ins Ausland vermittelt, in Holland gibt es eine vorbildliche Auffangstation zur Aufnahme von Affen, wo auch Versuchstiere resozialisiert werden" betont Olaf Neuendorf. In Wallersdorf leben zwei Rotgesichts-Makaken aus einem Privatzoo nach anfänglicher Aggressivität friedlich zusammen. In Deutschland fehle es an vergleichbaren Auffang-Einrichtungen. Habgier, Sensationslust, Gleichgültigkeit sind Gründe, weshalb Menschen Tiere in Not gebracht haben. Nach einem Ende März 2017 am CSU-Widerspruch gescheiterten Zuschussantrag im Umweltausschuss des Bayerischen Landtags (der von den Oppositionsparteien befürwortet wurde) hat jetzt sogar ein EU-Abgeordneter betont, die Anlage sei grenzüberschreitend einmalig und müsse gefördert werden, immer mehr einzelne Politiker unterstützen das Vorhaben. Auf einem Parkplatz an der Autobahn hat ein skrupelloser ausländischer Händler Polarfuchs-Welpen verkauft, eines der Tiere wurde von einer reumütigen Käuferin dann ins Tierasyl Wallersdorf gebracht, wo das muntere Tierchen auch gestreichelt werden darf. Bei Tigern, Puma und anderen Raubtieren dagegen sieht Olaf Neuendorf strengste Sicherheitsvorkehrungen als selbstverständlich an: "Einen Besuch im Gehege würde man kaum überleben" meint er, darüber täuschen die friedlich in der Mai-Sonne vor sich hindösenden kuschelig wirkenden Tiger nicht hinweg.

Der Verein versteht sich als Dienstleister, der im Allgemeininteresse handelt und bleibt trotz aller Schwierigkeiten optimistisch, weil der Zuspruch der breiten Öffentlichkeit und die Medienaufmerksamkeit größer werden. Das durch zwei Bundesfreiwillige und ehrenamtliche Tierpfleger unterstützte Exotenasyl verschlingt monatlich etwa 9500 Euro an Gesamtkosten.

Viel Aufklärungsarbeit soll den Unterstützerkreis ausbauen, man veranstaltet Führungen und Tage der offenen Tür (jeden ersten Sonntag im Monat 13 bis 17 Uhr). Neuendorf: "Unser Ziel ist es, den Tieren ein gutes Leben zu ermöglichen, wir wollen aber eine artgerechtere Haltung durch größere Gehege erreichen und geben die Hoffnung nicht auf." Viele haben schon Patenschaften übernommen oder werden zahlendes Vereinsmitglied. Für junge Leute werden Praktika in Tierpflege angeboten, wobei auch die Versorgung von friedlichen Frettchen oder Bengalkatzen Spaß macht.

Letztere ist zwar widernatürlichen Kreuzungen entsprungen, gilt aber als eine Art "Mini-Tiger" zum Streicheln. Dieter Balb