Bronnbach.
Unter dem langen weiten Kleid blitzen die warmen Winterstiefel hervor. Martina Gedeck, Charakterdarstellerin und eine der beliebtesten deutschen Schauspielerinnen, hat es sich im warmen Konferenzraum des Staatsarchivs ein wenig bequem gemacht.
Pressekonferenz zum deutsch-französischen Spielfilm "Die Nonne" war gestern in Kloster Bronnbach angesagt. Neben ihr sitzt Pauline Etienne. Leise und etwas schüchtern wirkend gibt die Filmtochter Suzanne von Mutter Madame Simonin an, dass sie zur Vorbereitung im Kloster recherchiert habe, um die Lebensweise kennenzulernen und zudem Gesangs- und Klavierunterricht genommen hat. Dann wird sie auch schon wieder herausgenommen aus der Reihe von Produzenten und Herstellungsleitern. In der Kirche nämlich wird gleich weitergedreht.
"Es ist ein außergewöhnlicher Stoff, denn in der Geschichte geht es um ein junges Mädchen, das versucht, sich zu befreien, auszubrechen aus den gesellschaftlichen Konventionen", beschreibt Martina Gedeck den Reiz von Diderots Roman. Die zerrissene Figur, die sie als Suzannes Mutter spielt, beschreibt sie als interessant. Schließlich sei das Kind durch einen Seitensprung mit einem Mann, den sie sehr liebte, entstanden. Und so opfert sie mit Suzanne, indem sie diese zwinge, wider ihren Willen ins Kloster zu gehen, auch ein Stücke von sich.
Die Spannung stellt sich für die Schauspielerin in der großen Liebe auf der einen Seite und der durchaus gewalttätigen Handlung gegenüber dem Kind dar.
Martina Gedeck mag es, "wenn eine Person Tiefenschärfe hat", wie sie das ausdrückt. Im Gegensatz zu Ulrike Meinhof, die sie im Film "der Baader Meinhof Komplex" verkörperte, und bei dem sie sich an einem Menschen, der wirklich gelebt hat, orientieren konnte, muss sie bei Madame Simonin die Figur selbst kreieren. "Spielt man eine Figur, die wirklich gelebt hat, ist die Verantwortung größer, dem Menschen gerecht zu werden." Bei ihrer Rolle in "Die Nonne" habe sie eine größere Freiheit zur Gestaltung.
Dieses Spiel im Spiel, die Auseinandersetzung mit Figuren und Charakteren, scheinen ihr eine ebenso große Freude zu bereiten, wie die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus anderen Ländern. Gerade weil es sich bei "Die Nonne" um eine deutsch-französische Koproduktion handelt und ein internationales Team zusammenarbeitet, gehe man mit den anderen sehr aufmerksam um. "Wir arbeiten mit großem Respekt und einer Distanz gegenüber der anderen Mentalität, was in unserem Beruf sehr zuträglich ist." Ein Lob für den Drehort Bronnbach spricht sie auch noch aus: "Wir sind froh in diesem Kloster zu sein. Hier ist alles sehr stimmig und die Atmosphäre ist 1:1 da."
Dass die französisch-deutsche Koproduktion von der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg gefördert werde, weil die inhaltliche Qualität überzeugt habe, betont Dieter Krauß von der MFG-Geschäftsleitung. Zudem wolle man dem Absolventen der Ludwigsburger Filmakademie und Koproduzent von "Die Nonne" Reza Bahar den Einstieg in eine internationale Produktion eröffnen. Erfreulich sei zudem, dass der größte Teil des Films in Deutschland gedreht werde. Auch Kloster Bronnbach, da zeigt er sich sicher, werde davon profitieren.
Produzentin Nicole Ringhut informiert, dass der Film über ein Budget von 5,5 Millionen Euro verfüge und auf 34 Drehtage angelegt sei, davon 18 in Baden-Württemberg. Zum Team gehörten 50 bis 60 Leute, hinzu kämen 80 bis 100 Komparsen. Die Fertigstellung ist für Anfang 2013 geplant. hvb
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