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Montag, 21.05.2012

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Einzel: Die Titelkämpfe standen ganz im Schatten der entscheidenden Phase der Olympia-Qualifikation

Erst als es richtig klebte, flutschte es

Freude pur: Carolin Golubytskyi schaffte mit dem klaren Finalsieg gegen Anja Schache den Titel-Hattrick als deutsche Florett-Meisterin.

Freude pur: Carolin Golubytskyi schaffte mit dem klaren Finalsieg gegen Anja Schache den Titel-Hattrick als deutsche Florett-Meisterin.

Als die etwa 500 Zuschauer nach und nach in die Finalhalle des Olympiastützpunkts gingen, mussten sie an den großen Flachbildschirmen vorbei, auf denen die Halbfinalpaarungen angezeigt waren. Den meisten Fecht-Interessierten war bereits da klar: Der Endkampf zwischen dem Olympiasieger Benjamin Kleibrink und dem vierfachen Weltmeister Peter Joppich wird garantiert ein Gefecht auf höchstem Weltniveau werden. Gut zwei Stunden später verließen die Zuschauer die Halle wieder und hatten eben jenes erwartete Finale nicht erleben dürfen. Beide Favoriten auf den Titel waren in der Vorschlussrunde gescheitert.

Trotzdem waren die Leute zufrieden, hatten sie doch in Moritz Kröplin (OFC Bonn) einen neuen, 20 Jahre jungen Titelträger gesehen, der mit Leidenschaft und großem fechterischen Können überraschend Deutscher Meister wurde. "Ich hatte die Medaille vor Augen und vor dem Finale die Goldmedaille gesehen. Nur am Anfang war es spannend, dann habe ich das ganz souverän gemacht", sagte der Youngster nach seinem 15:6-Finalsieg gegen seinen Vereinskameraden und ehemaligen Tauberbischofsheimer Sebastian Bachmann. Kröplins Talent kam bereits vor Wochenfrist zum Vorschein, als er das Turnier in Heidenheim gewann. "Es ist gut, dass die Jüngeren mal am Thron rütteln", sagte Manfred Kaspar, Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes.

"Jedes Turnier ist ein Baustein, um in die Mannschaft reinzukommen. Olympia 2012 ist ein Traum. Ich werde alles geben", sagte der Bonner. Benjamin Kleibrink, Peter Joppich und Sebastian Bachmann sind für die Nationalmannschaft gesetzt. Kröplin möchte in der nächsten Wochen und Monaten also noch Andre Weßels verdrängen. Für das kommende Weltcupturnier in Paris am 28./29. Januar wird der neue Deutsche Meister aber erst mal noch nur im Einzel starten.

Die Geschlagenen nahmen es gelassen. Peter Joppich sagte nach der Halbfinalniederlage: "Die Deutschen Meisterschaften sind ein besseres Training." Benjamin Kleibrink, in der Vorschlussrunde gegen Sebastian Bachmann ziemlich chancenlos, meinte dennoch: "Ich habe eine super Form und fechte sehr gut." Der Athlet des Fecht-Clubs Tauberbischofsheim hat trotz seines verpassten Titels kein Selbstvertrauen eingebüßt, was sein ganz eigenes Rechenbeispiel zeigt: "Objektiv betrachtet stehen unsere Chancen für Olympia 50:50. Ich glaube aber eher 70:30, mindestens aber 60:40." Weiter rechnen kann wohl auch der FC Tauberbischofsheim mit "Benny" Kleibrink. Sein Vertrag beim Fecht-Club läuft am Jahresende aus. Am Samstag sagte er: "Grundsätzlich würde ich weiterfechten. Aber jetzt kommt erst mal Olympia!"

Eine ganz klare Angelegenheit

Carolin Golubytskyi landete zunächst mal auf dem Hosenboden, um sich dann für den Titel-Hattrick zu erheben. Im Halbfinale gegen Sandra Bingenheimer rutschte sie zu Beginn gleich zweimal aus und knallte schmerzhaft auf die Planche. Doch dann benetzte sie ihre Schuhsohlen mit Cola. "Babbt besser", meinte sie. Als es dann richtig klebte, flutschte es bei der 26-jährigen FC-Athletin. Und wie: 15:7 gewann sie das Semifinale, gar 15:4 den Endkampf gegen Anja Schache. "Ich bin anfangs gut rein gekommen und habe um jeden Treffer gekämpft. Das hat sich heute ausgezahlt", sagte Golubytskyi. Sie war richtig heiß, das konnte man regelrecht spüren. Nach jedem Treffer kreischte sie ihre Anspannung heraus, ballte die Faust.

Natürlich ist diese Goldmedaille auch für sie nur eine nettes Mitbringsel auf dem noch steinigen weg gen Olympia. "Es wird sehr schwierig werden, doch wir geben nicht auf. Wir wollen alle!" Auch Finalgegnerin Anja Schache wollte kämpfen, sah sich aber ihrer Chancen beraubt: "Gegen Caro gibt es nur wenige Mittel, aber wenn dir der Obmann diese nimmt, dann wird es fast unmöglich." Doch Schache hat nichts von ihrem Selbstvertrauen eingebüßt: "Wir sind besser als Frankreich und Ungarn. Also schaffen wir die Olympia-Qualifikation."

Der Blick auf den Flachbildschirm mit der Damenkonkurrenz gibt in dieser Hinsicht Zuversicht: Die komplette Nationalmannschaft, bestehend aus lauter FC-Fechterinnen, stand im Halbfinale.

© Fränkische Nachrichten, Montag, 16.01.2012

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