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Historische Quellen: Wissenschaftliche Betrachtung des Kriminalprozesses / Hörbücher vermitteln einen auditiven Eindruck des Zeitgeschehens:

Die Rolle Oppenheimers revidieren

Archiv-Artikel vom Donnerstag, den 13.08.2009

Wertheim. Ungläubiges Kopfschütteln. Sogar Heiterkeit. Vielleicht, eingedenk des bekannten Endes, ab und an Entsetzen. So sahen die Reaktionen des Publikums vor wenigen Wochen bei den Freudenberger Burgfestspielen angesichts des in dem Stück "Liebesleiden" auszugsweise nachgestellten Kriminalprozesses gegen Joseph Süß Oppenheimer, genannt "Jud Süß", aus.

Raue Realität

Zu absurd, zu sehr dem eigenen Rechtsempfinden zu widersprechen schien, was da zu hören und zu sehen war. Und doch: Es entsprach bei aller dichterischen Freiheit der traurigen Realität des 18. Jahrhunderts.

Sachlicher und kenntnisreich befasst sich seit einigen Wochen und noch bis zum 11. September die Ausstellung "Beschlagnahmte Briefschaften" des Landesarchivs Baden-Württemberg, Abteilung Hauptstaatsarchiv Stuttgart, mit dem "Fall Oppenheimer". Dazu ist unter dem Titel "Die Quellen sprechen lassen" ein Buch erschienen, das sich wissenschaftlich mit dem Leben und Sterben Joseph Süß Oppenheimers befasst und die Quellen im beigegebenen Hörbuch im wahrsten Wortsinne zum Sprechen bringt.

Die Veröffentlichung soll nach dem Willen der Herausgeber Gudrun Emberger und Robert Kretzschmar, "die unmittelbare Begegnung mit aussagekräftigen Dokumenten zum historischen Geschehen ermöglichen". Man wolle aufzeigen, "wo die Forschung zu Joseph Süß Oppenheimer und dem an ihm begangenen Justizmord heute steht und auf welchen Quellen sie beruht".

Erinnerung wachhalten

Damit soll die Erinnerung an Joseph Süß Oppenheimer wachgehalten und zu einer kritischen, quellenbezogenen Beschäftigung mit dem an ihm begangenen Unrecht angeregt werden. Unter der Überschrift "Tradition und Überrest" befasst sich Robert Kretzschmar mit der "Überlieferung zum Kriminalprozess gegen Joseph Süß Oppenheimer". Der Autor ist Präsident des Landesarchivs Baden-Württemberg, in dessen Hauptstaatsarchiv Stuttgart die Akten zum Kriminalprozess liegen. Doch ehe er sich sehr detailliert dieses Aktenbestandes annimmt, wendet sich Kretzschmar den zeitgenössischen Flugschriften über den "Fall Oppenheimer" zu.

Diese seien "quellenkundlich gesehen nicht Überrest sondern Tradition" und Zeugnis der hohen Publizität, die Prozess und Hinrichtung seinerzeit erreichten, so Kretzschmar. Sie seien aber auch mit ursächlich für das Bild, das sich viele, teilweise bis in die Neuzeit, von Joseph Süß Oppenheimer machten.

Von den Bildern, die diese Flugschriften und die daraus resultierende Propaganda erzeugten, müsse sich die weitere Forschung freimachen, fordert Kretzschmar "und sich wieder stärker auf das Geschehen und die authentische Aktenüberlieferung konzentrieren". Dafür hat der Autor einen ersten Wegweiser mit seinem Beitrag geliefert.

Verzerrte Darstellung

Archivreferendar Joachim Brüser befasst sich mit der Rolle Joseph Süß Oppenheimers in der Politik Herzog Karl Alexanders und kritisiert, Oppenheimer werde "völlig verzerrt als allmächtiger Beherrscher von Herzog und Herzogtum dargestellt". Die Rolle Oppenheimers müsse revidiert werden, fordert Brüser.

"Das Einzigartige seines Schicksals ist keinesfalls sein Erfolg und seine politische oder wirtschaftliche Rolle", sondern dass er als Sündenbock für die habe herhalten müssen, die von der Politik des Herzogs scheinbar oder tatsächlich benachteiligt wurden. Den Kern des Buches bildet aber der Beitrag der freiberuflichen Historikerin Gudrun Emberger. Sie zeichnet darin Stationen des Lebens und Sterbens von Oppenheimer zwischen Ludwigsburg, Hohenasperg und Stuttgart nach und lässt darin die Quellen sprechen.

Version zum Hören

Der Schwerpunkt wird auf die Verbindung zu Herzog Karl Alexander, auf die Haft Oppenheimers und die bei ihm damit einhergehende Persönlichkeitsveränderung und schließlich auf den Tod gelegt. Der vollständige Text ist als gesprochene Version auf den beiden dem Buch beiliegenden CDs enthalten. Nicht vergessen werden darf auch der der Katalog zur Ausstellung "Beschlagnahmte Briefschaften". ek

© Fränkische Nachrichten, Donnerstag, 13.08.2009
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