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Im Test Alfa Romeo will mit der Giulia der Konkurrenz die jungen und dynamischen Kunden abjagen

Schönheit liegt in den Genen

Frankfurt.Was für ein Anblick! Ein bisschen sieht die Alfa Giulia aus wie eine Raubkatze. Die Augen als scharfe Schlitze, das LED-Tagfahrlicht erinnert an wache Pupillen. Selbst im Stillstand strahlt das Mittelklassemodell Spannung aus - als wolle es zum Sprung ansetzen. Design können sie bei Alfa Romeo! Klappt es aber auch mit der Qualität? Ein Test.

Die Zielgruppe ist klar. Mit der neuen Giulia sollen vor allem BMW und Audi die jungen und dynamischen Kunden abgejagt werden. Und wie kann das besser erreicht werden, als mit einem tollen Aussehen. Der erste Blick, und so... Die Schönheit steckt dem von Lorenzo Ramaciotti entworfenen neuen Alfa in den Genen. Giulias gleichnamige Mutter verdrehte den Leuten schon in den 1960er Jahren die Köpfe. Ecken, Kanten und Rundungen sitzen nun auch wieder an den richtigen Stellen.

Im Innenraum präsentiert das neue Modell anständig Platz für vier Personen. Halbrunde Schalen greifen schön die Alfa-Tradition der Tacho- und Drehzahlmessereinfassung auf, die Linien des Armaturenbretts sind sehr klar gezeichnet. Die Materialanmutung wirkt hochwertig, die Verarbeitung erscheint solide, ein Klappern gibt es nicht.

Der Startknopf der Giulia befindet sich am Lenkrad. Und zur Überraschung schüttelt sich der Zweiliter-Benziner anfangs fast wie ein Diesel. Anschließend hält sich das Aggregat sehr vornehm zurück. Motorengeräusche dringen fast nicht an die Ohren, und auch die Isolierung gegen den Wind ist prächtig gelungen. Stattliche 200 PS spülen den 1,5-Tonner nicht nur gut durchs Verkehrsgetümmel. Fast aus der Hüfte schüttelt er auch im so wichtigen mittleren Drehzahlbereich die Kraft. Für einen Benziner anständige 330 Newtonmeter an maximalem Drehmoment überzeugen hier voll und ganz. Dabei bleibt der Verbrauch beim Test auf einem Niveau von rund 8,5 Litern. Gilt es, Geschwindigkeit zu reduzieren, kann sich der Fahrer auf die sehr gut zupackenden Bremsen verlassen.

Sehr komfortabel kommt der Alfa beim Fahrwerk daher. Es federt souverän, nimmt Bodenwellen direkt - wird es gefordert, kann es aber auch zupacken. Etwas kurios ist das Fahrverhalten für einen Hecktriebler. Werden Kehren flott genommen, drängt die Giulia nicht mit dem Heck nach außen, sondern schiebt gutmütig mit dem Vorderbau gen Kurvenrand.

Bis zu 510 PS im Topmodell

Weniger gut gefällt das serienmäßige, sehr ruppig und hektisch schaltende achtstufige Automatikgetriebe. Irgendwie ist es immer präsent, vor allem im Stadtverkehr hopst es wild durch die Fahrstufen. Das können andere besser.

Vier Diesel-Varianten und drei Benziner, darunter ein Modell mit stattlichen 510 PS stehen zur Wahl. Stolze 33 000 Euro sind schon für den 136-PS-Einstiegsdiesel fällig. Allein das wird schon für ein exklusives Auftreten der Italienerin sorgen. Bei Alfa hat Schönheit eben ihren Preis.